Cannabis

Hier gibt’s alles zum Cannabis: Biologische Informationen, Herkunft und kulturelle Verwendung. Eine grossartige Pflanze mit einer langen Geschichte.

hanf cannabis pflanzen in seitlicher Nahaufnahme draussen.

Definition

Der Begriff „Cannabis“ ist der botanische Name in Latein und übersetzt zum deutschen „Hanf“. Cannabis kommt vom mexikanischen „Nahuatl“ ab und bedeutet „Gefangener“. Umgangssprachliche Namen sind z.B. Gras, Ott, Dope, Weed und mehr. Als Konsumprodukt wird er oft auch „Marihuana“ oder „Haschisch“ genannt, wobei diese jedoch verarbeitete Produkte der Cannabispflanze sind. Gesellschaftlich ist die Abgrenzung zwischen medizinischer Nutzbarkeit und Drogenkonsum oft nicht klar. In Deutschland, Österreich und der Schweiz, ist Cannabis als „Marihuana“ die häufigste konsumierte Droge.

Die Pflanzenarten, aus der Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae), haben Stoffe, die Cannabinoide, die mit dem sogenannten Endocannabinoid-System im Nerven- und Immunsystem des Menschen interagieren. Das bekannteste Cannabinoid, das am stärksten psychoaktiv auf den Körper wirkt, ist das Tetrahydrocannabinol, zu kurz THC. Cannabis hat über 100 nachgewiesene, verschiedene Cannabinoide. Das THC befindet sich nicht in jedem Cannabis. Der Nutzhanf, oder landwirtschaftlich genutzter Cannabis, enthält verschwindend wenig THC. CBD (Cannabidiol) oder CBN (Cannabinol) sind ebenfalls Cannabinoide, die im Cannabis in größeren Mengen vorkommen.

Die wilde, ursprüngliche Form findet man im Altai-Gebirge, an der Grenze zwischen China, der Mongolei und Russland. Heute ist der Cannabisanbau durch internationales Recht entweder verboten oder durch Auflagen kontrolliert. Der Anbau steigt seit 1992 wieder an.

Ursprung

Der Ursprung des Cannabis datiert bis vor ca. 12.000 Jahren im asiatischen Raum. Das fand eine Forschung der Freien Universität Berlin heraus. Laut einer Studie entstand der Cannabis zum Ende der Eiszeit und konnte sich rasch über den europäischen Kontinent verbreiten. Das liegt vermutlich daran, dass der Cannabis evolutionär gesehen eine äußerst anpassungsfähige Pflanze ist.

Deshalb wächst er heute in fast allen Klimabedingungen und begleitete die Menschheit seit Jahrtausenden als Kulturpflanze. Cannabis ist vermutlich die erste Pflanze, die vom Menschen als Agrargut benutzt wurde.

Die Ausbreitung ging einher mit Nomadenstämmen im asiatischen Raum, die Handelsrouten entwickelten. Das geschah in etwa vor 5000 Jahren. Dieser Zusammenhang definiert, wie es im menschengemachten Sinne zu der Ausbreitung des Cannabis kam. Allerdings sind auch Tiere, wie z.B. Vögel daran beteiligt. Hanfsamen waren auch damals schon eine sehr nährstoffreiche Nahrung, die die Existenz verschiedener Vogelarten begünstigte.

Vorzeitliche Geschichte

Die Hanfpflanze „Cannabis Sativa“ gilt als eine der frühesten, menschlichen Kultivierung. Studien besagen, dass China bereits 4000 Jahre v.Ch. Cannabis als Agrargut angebaut hatte. Die häufigsten Verwendungen waren für die Medizin und als Rauschmittel.

Der Chinesische Urkaiser Shennong, welcher auch verantwortlich für die Erfindung des Tees gemacht werden kann, untersuchte bereits ca. 3000 Jahren v.Chr. sämtliche Pflanzen auf medizinische Eigenschaften – darunter der Cannabis. Er schreib eines der ersten Lehrbücher über Botanik und Pionierarbeit zur medizinischen Heilkunst. Das Pen Tsao war ein Schriftwerk über die medizinische Verwendung des Nutzhanfs. Dokumentierte Mehrwerte als effektive Behandlung waren z.B. Rheuma, Gicht und Malaria. Das erste Papier der Welt wurde auch in China aus Hanf hergestellt.

In Mesopotamien (800 v.Chr.), Ägypten (1600 v.Chr.) gibt es auch vermehrt Hinweise und Fundstücke, die auf die Verwendung des Cannabis zurückgehen.

Es finden sich 2.400 Jahren alte Überlieferungen aus Indien. Die Wirkstoffe der Cannabispflanze werden in ihrer Wirkung beschrieben und durch spirituelle Verwendungen festgehalten. Sie dokumentierten den generellen Einsatz, aber auch Behandlungsmethoden vom Schmerz bis hin zur Epilepsie.

Die ersten Seile aus Hanffaser wurden im südlichen Russland gefunden und datieren zurück auf 600 v.Chr.

200 v.Chr. wurden die ersten, griechischen Hanftextilien geflochten.

geflochtene Hanfseile. Vermutlich auf einem Schiff
Seile aus Hanffaser waren im Kolonialismus von grosser Bedeutung.

Mittelalter

Generell wurde Cannabis für Kulturen, die älter als unsere Zeitrechnung sind, für religiöse Zeremonien, Medizin und Textilien verwendet. Im Mittelalter fand Cannabis in Form von Nutzhanf, z.B. für Hanffaser, einen festen Platz in der Fertigungstechnik und in der Produktion. Aus Hanf wurden Segel und Seile gefertigt, wodurch die riesigen Flotten Englands und Spanien eben erst entstehen konnten. Jede Seemacht hatte zu dieser Zeit großflächige Cannabisfelder für Taue, Segel und für die Schifffahrt allgemein.

Gewonnen aus den Stielen der Cannabispflanze ließen sich Fasern für Stricke, Seile, Papier und Textilien herstellen. Dieser Nutzhanf grenzt sich aber als Cannabis ab. Samen und Blüten fanden vermehrt medizinische Anwendung, wobei der Hanf für Stoffe verwendet wurde. Sie war deshalb zweigleisig unterwegs: Ein Heilmittel und ein Rauschmittel.

Der erste Kreuzzug, der von 1096 bis 1099 stattfand, brachte Cannabis nach Europa und wurde so in die Volksmedizin eingeführt; es lassen sich viele Aufzeichnungen in der westlichen Klostermedizin finden. Viele Beschwerden wie, Rheuma oder Bronchitis wurden mit Cannabis behandelt. Er galt sogar zeitweise als Schmerzmittelersatz zu Opioiden.

Kolonialismus und Industrialisierung

Im 16. Jahrhundert wurde Cannabis in Bücher aufgenommen und erforscht. Knapp 300 Jahre später fand Cannabis immer noch medizinische Anwendung gegen Migräne, Krämpfe und Schlafstörungen.

Im 17. Jahrhundert beförderte England den Cannabis von den Kolonien z.B. nach Australien, die seit über 150 Jahren eine Mehrheit aus Cannabisgeschäften eingenommen hatten. Jedoch stoppte dieses nach dem internationalen Verbot seit 1928.

Bis zum Jahr 1898 war Marihuana das Schmerzmittel von Amerika. Bis 1920 waren in etwa 60% der verschriebenen Schmerzmittel cannabisbasiert. Über hundert Cannabis-Medikamente waren erhältlich, bis es von Aspirin und der synthetischen Arznei abgelöst wurde. Gründe sind womöglich Dosierungsschwierigkeiten und unbestimmte Wirkungsweisen. Die Verschreibungen nahmen dann im frühen 20. Jahrhundert allmählich ab, bis der medizinische Cannabiseinsatz weltweit verboten wurde.

Nahaufnahme von eine Cannabisblüte.
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